Hund aufgegriffen!

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Sabine
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Beigetreten: 24.12.2007 - 10:16

Möchtet ihr euch eine lange Geschichte durchlesen? Bitte sehr:

Ich fuhr heute vormittag mit Ollie gen Wald, als uns etwa in Höhe Osteel ein Hund vor´s Auto lief. Zum Glück hatte ich ihn vorher schon gesehen und hatte die Warnblinkanlage angemacht und die Geschwindigkeit sehr stark reduziert.

Ich stieg aus, der Hund befand sich ca. 10m vom Auto entfernt. Das Ganze spielte sich übrigens auf der Brookmerlander Straße ab, die Verbindungsstraße zwischen Marienhafe und Norden, wo heute wegen des Anreiseverkehrs sehr viel los war.

Ich war gerade auf die Entfernung in die Hocke gegangen um ersten Kontakt zu dem Hund aufzunehmen, als er sich auch schon umdrehte und auf ein angrenzendes Grundstück lief. Dort fand ich ihn auf dem Rasen liegend wieder. Recht weit von ihm entfernt, ca. 15 Meter, holte ich ein paar Leckerchen aus der Hosentasche um sie ihm hinzuwerfen - allein die Handbewegung reichte schon, um den Hund in Panik wieder auf die Straße rennen zu lassen.

Zurück im Auto fuhr ich dem Hund mit Warnblinklicht hinterher um so wenigstens den nachfolgenden Verkehr zu verlangsamen.  Dann bog der Hund Richtung Leezdorf in eine Seitenstraße ein und ich fand ihn dort auf dem Rasen eines Grundstücks wieder. Das Wohnhaus stand leer, das war gut, so fand er dort erstmal ein wenig Ruhe. Er lag auf dem Rasen, in sicherer Entferung, und beobachtete mich.

Und dann ging die Telefoniererei los. Polizei - wollte versuchen jemanden vom Tierschutz zu finden der mir helfen könnte. Tierschutz: Lediglich eine Auszubildene des Tierheims Hage rief mich auf dem Handy zurück um mir mitzuteilen, dass der Chef im Moment unterwegs sei und daher nicht helfen könne.

Tierheim Emden: niemand da. Auf der Nummer, die auf dem AB für "dringende Tierschutzangelegenheiten" angegeben wurde, war leider niemand erreichbar.

Der Hund lag noch immer auf dem Rasen, aber direkt angrenzend an das Grundstück verlief die vielbefahrene Brookmerlander Straße, also durfte er keinesfalls dorthin laufen.

Ein weiterer Anruf bei der Polizei ergab, dass die Hundefänger "nur für Norden zuständig" seien und sich weigerten, aktiv zu werden. Mir schwoll der Kamm!

Was den Hund anging, so wurde mir schnell klar dass hier nur ein ganz langer Atem und viel Geduld helfen würden.

Ich holte erstmal Ollie aus dem Auto um zu zeigen, dass der Mensch hier in Begleitung eines Artgenossen ist.

Das Grundstück, auf dem der Hund sich befand, war rechts und links vom Haus mit einm Stahltor mit Gitterstäben verschlossen. Als der Hund sich endlich ein wenig auf Ollie zu bewegte, kam ein Nachbar vom angrenzenden Grundstück, lief auf uns zu und rief laut "Ey, komm her!" Der Blödmann, und schon zog der Hund sich wieder zurück, diesmal auf die andere Seite des Grundstücks.

Mittlerweile war sicher eine Dreiviertelstunde vergangen. Ich fuhr das Auto rücklings an das Gittertor heran, setzte Ollie auf die Rückbank und öffnete den Kofferraum, damit der Hund weiterhin Ollie sehen konnte. Und dann wartete ich ....

Nach langer Zeit wagte der Hund sich an das Tor heran. Meine Hoffnung war, das er, sollte er sich trauen herauszukommen, auf die Idee kommen würde, sich rechts zwischen Tor und Hecke durchzuquetschen.

Als er sich längere Zeit am Tor aufgehalten hatte, sprach ich ihn an und versuchte nochmals über Futter sein Vertrauen zu gewinnen. Er ging sofort wieder auf Abstand, stand da und zitterte sobald ich ihn ansprach. Ein wenig Abwehrknurren wagte er auch.

Nun denn, dann setzte ich mich ins Auto, ließ die Tür offen und beobachtete über den Rückspiegel was geschah.

Nach insgesamt knapp zwei Stunden drückte sich der Hund tatsächlich zwischen Tor und Hecke durch und blieb hinten am geöffneten Kofferraum stehen. Dann lief er langsam an mir vorbei, worauf ich noch nicht reagierte. Ich wollte ihm erstmal Sicherheit vermitteln.

Das an mir vorbeilaufen wiederholte sich noch ein paar Mal, bis er dann bei mir stehenblieb. Beim nächsten Mal schnupperte er an meiner Hand. Das Ganze noch einmal. Dann war´s soweit ok für ihn, so dass er sich immer einige Meter vom Auto entfernte um dann wieder (auf Locken) zu mir zurück zu kommen.

Ich stand mittlerweile am Kofferraum, in der Hoffnung, dass er von sich aus reinspringen würde, er nahm immer wieder Blickkontakt zu Ollie auf.

Es verging noch einige Zeit... endlich nahm er ein paar Leckerchen an und trank auch gerne das Wasser, das ich ihm hinstellte. Nach weiteren Minuten durfte ich ihm die Retrieverleine umlegen, er hatte ja kein Halsband um. Und dann, nach wiederum einigen Minuten sprang er endlich ins Auto. Ich jubelte innerlich!

Ich brachte ihn ins Tierheim.

Ich schreibe diesen langen Text hier nicht als fishing for compliments oder so, möchte nur wiedergeben wie schwierig es ist, einen ängstlichen Hund "einzufangen". Für alle, denen mal ähnliches passiert: nicht hinterher laufen, bringt viel Zeit und Geduld auf, dann kann das klappen...

Hier zwei Bilder von dem Hund - wahrscheinlich ein (junger) Aussiemix:

Wo Wissen aufhört, da fängt Gewalt an. Gerade in der Hundeerziehung.

http://ollies-fotografie.jimdo.com/

Hojeweible
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Beigetreten: 17.09.2012 - 15:29
Toll gemacht!

Toll gemacht!

danke für die Geschichte und: Gott sei Dank hat sie ein Happy End, - jedenfalls, was das Einfangen angeht... 

- so ein liebes Hundegesicht. Ich hoffe für ihn, dass sich alles weiter gut entwickelt!

Danke, Sabine! Lol 2

Ich habe heute ein paar Blumen nicht gepflückt, um Dir ihr Leben zu schenken.

Christian Morgenstern

Mephisto
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Beigetreten: 29.04.2011 - 17:53
was für ein hübscher Hund!

was für ein hübscher Hund!

Vielen Dank für die Geschichte Sabine und echt super gemacht!

Da kann man sich dann erinnern wenn man mal selber in die Situation kommen sollte!

Hoffentlich findet der hübsche seine Besitzer oder ein gutes Zuhause.

PitaPata - Personal picturePitaPata Dog tickers
Mephisto's Homepage: Always in my heart Mephisto

MonikaB
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Beigetreten: 15.09.2010 - 13:15
Nun, DEIN Platz in dem

Nun, DEIN Platz in dem gemeinsamen Hunde-Menschen-Himmel ist dir auf jeden Fall sicher!

nun hoffen wir noch, dass es zu seinem überglücklichen Besitzer zurückkann....oder einen überglücklichen NEUEN bekommt!

Sabine
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Beigetreten: 24.12.2007 - 10:16
MonikaB schrieb:

MonikaB schrieb:
Nun, DEIN Platz in dem gemeinsamen Hunde-Menschen-Himmel ist dir auf jeden Fall sicher!

nun hoffen wir noch, dass es zu seinem überglücklichen Besitzer zurückkann....oder einen überglücklichen NEUEN bekommt!

Ach Monika, wenn DAS die Belohnung wäre.... da stehen mir gleich die Tränen in den Augen.

Wo Wissen aufhört, da fängt Gewalt an. Gerade in der Hundeerziehung.

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AlaniKellan
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Beigetreten: 24.11.2011 - 19:55
Verdient hätte sie es

Verdient hätte sie es tatsächlich!!

Das Schicksal weiß schon, warum es immer dich schickt wenn Hund/Schaf/Pferd/Kuh/Katze (hab ich was vergessen?) eine ruhige Hand und Verständnis braucht! 

Ich finde es unglaublich, dass es tatsächlich noch Menschen gibt die Stunden ihres Lebens für soetwas Geduld beweisen! I-m so happy

Danke Sabine dass du diesem hübschen Kerl geholfen hast! Nicht nur, ihn in's TH zu bringen, sondern ihm vielleicht auch ein klein wenig Vertrauen in uns zurück zu geben. 

Falls du weißt wie die Geschichte weiter geht, lass es uns bitte wissen.

Es grüßen Frauchen Annika mit Sparky & Kellan

Sabine
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Beigetreten: 24.12.2007 - 10:16
AlaniKellan schrieb:

AlaniKellan schrieb:
Verdient hätte sie es tatsächlich!!

Das Schicksal weiß schon, warum es immer dich schickt wenn Hund/Schaf/Pferd/Kuh/Katze (hab ich was vergessen?) eine ruhige Hand und Verständnis braucht! 

Ich finde es unglaublich, dass es tatsächlich noch Menschen gibt die Stunden ihres Lebens für soetwas Geduld beweisen! I-m so happy

Danke Sabine dass du diesem hübschen Kerl geholfen hast! Nicht nur, ihn in's TH zu bringen, sondern ihm vielleicht auch ein klein wenig Vertrauen in uns zurück zu geben. 

Falls du weißt wie die Geschichte weiter geht, lass es uns bitte wissen.

Minus Schaf - plus Esel plus Igel plus Bussard. Lol 2

Ich bin natürlich selbst sehr interessiert daran was aus dem Hund wird und habe das TH gebeten, mir Bescheid zu geben.

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AlaniKellan
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Beigetreten: 24.11.2011 - 19:55
Denkst du in solchen Momenten

Denkst du in solchen Momenten nicht über mögliche Gefahren nach, die von so einem Tier ausgehen? 

Ich meine, wer weiß was der Hund in diesem Falle erlebt hat, wenn er ängstlich/aggressiv ist, und dich beißt? Oder wenn er auf Ollie los geht?

Es grüßen Frauchen Annika mit Sparky & Kellan

Sabine
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Beigetreten: 24.12.2007 - 10:16
Doch!

Doch!

Nicht dass er auf Ollie losgeht. Solange sie außerhalb des Autos war, konnte ich ja seine Körpersprache gut lesen und hätte notfalls rechtzeitig intervenieren können.

Ich habe aber schon in Erwägung gezogen, dass er mich eventuell beißen könnte. Aber auch hier habe ich mich auf das Lesen seiner Körpersprache verlassen und ihn nicht so bedrängt, dass diese Gefahr hätte bestehen können. Nur beim Überstreifen der Retrieverleine hätte es passieren können, da habe ich sogar mehr oder weniger mit gerechnet. Aber irgendwann mussten wir mal zum Abschluss kommen. Lol 2

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flowerpower
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Thread-King
Beigetreten: 21.06.2011 - 10:39
Hammer! Super gemacht!!!!!

Hammer! Super gemacht!!!!! Lesen die im Tierheim eigentlich auch den Chip aus sofern es einen gibt? Er sieht ja nicht unterernährt oder verwahrlost aus aber schon komisch, dass er so wenig Vertrauen zu Menschen hatte.... Und was die Behörden/Ämter angeht, da würde ich persönlich im Nachhinein noch einen Aufstand machen. Zum Glück warst diesmal du zur Stelle aber es könnte ja auch jemand sein, der sich gar nicht auskennt, aber trotzdem helfen will und eben diese Nummern anruft. Kann jawohl nicht sein, dass man da keine Hilfe bekommt *grummel*

Whoever said that diamonds are a girls best friend, never owned a dog!

 

Sabine
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Beigetreten: 24.12.2007 - 10:16
Der Tierheimleiter wollte den

Der Tierheimleiter wollte den Chip - sofern vorhanden - ablesen, aber da der Hund da wieder ein Abwehrknurren vernehmen ließ, wollte er ihn erstmal zur Ruhe kommen lassen.

Was das Vertrauen angeht: es sind so viele Denkmodelle möglich. Manchmal laufen Hunde weg, die sonstwo aus dem Tierschutz kommen und gerade den ersten Tag beim neuen Besitzer sind.  Die sind häufig auch total in Panik und lassen sich nicht einfangen.

Dieser Hund heute hat dankbar das angebotene Wasser angenommen, aber als ich die Flasche in die Hand nahm um sie zurück in den Kofferraum zu stellen, erschreckte ihn das auch gleich wieder. Wer weiß woher er kommt - vielleicht war er auch einfach total von der Rolle.

Rückblickend betrachtet bin ich eigentlich sogar ganz froh, dass niemand zur Unterstützung kam. Jeder Versuch den Hund einzufangen wäre nach hinten losgegangen. Aber generell ist es einfach Mist, wenn sich in so einem Fall niemand zuständig fühlt. Kein Wunder dass so wenig Leute helfen wenn sie damit allein gelassen werden. Wenn du eine gefundene Katze ins Tierheim bringst, schicken sie dich unter Umständen mit dem Tier wieder weg - wer kümmert sich da ein zweites Mal um ein gefundenes Tier?

Wo Wissen aufhört, da fängt Gewalt an. Gerade in der Hundeerziehung.

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